Archiv für Juni 2016

Verbot der CSD Demonstration und des Trans Pride in Istanbul

Bereits in der letzten Woche ist bekannt geworden, dass der Gouverneur von Istanbul auch in diesem Jahr ein Verbot für die CSD-Demonstration ausgesprochen hat. Zuvor wurde bereits der Trans Pride, der für den 19.6. geplant war, verboten. Trans* Aktivist*innen, die trotz des Verbots demonstriert haben, wurden von der Polizei mit Gummigeschossen und Tränengas attackiert.

Offiziell wurde das Verbot der Demonstrationen unter anderem mit dem derzeit stattfindenden Fastenmonat Ramadan und der Sicherheit der Teilnehmer*innen begründet.
Im Vorfeld hatten rechtsextremistische, islamistische und nationalistische Parteien und Menschen mit Gewalt gedroht. So sagte beispielsweise ein Sprecher der Partei BBP: „Wir werden den Degenerierten nicht erlauben, ihre Fantasien in diesem Land auszuleben“.

Schmerzlich erinnern uns diese Nachrichten an die Niederschlagung des
CSD Istanbul im letzten Jahr und wir möchten nochmals auf unsere Pressemitteilung dazu hinweisen:
Auf deutsch und auf türkisch.

Wir sind schockiert und traurig über das Verbot der Versammlungen
sowie das gewaltsame Vorgehen gegen den Trans Pride. Wir fordern, dass
alle Menschen, unabhängig von den religiösen Befindlichkeiten anderer, die Möglichkeit haben, ihre politischen Forderungen auch durch Versammlungen zu artikulieren.
Die für diesen Sonntag geplante Pride Demonstration muss stattfinden dürfen und darf nicht von der Polizei gewaltsam verhindert werden. Anstatt den Drohungen von Rechtsextremist*innen nachzugeben, sollte die Türkei alles dafür tun, dass auch LGBTTIQ* ihrem Recht auf Versammlungsfreiheit nachgehen können.

Der CSD Freiburg solidarisiert sich mit den Pride Veranstaltungen sowie den Aktivist*innen in der Türkei. Erneut wünschen wir allen LSBTTIQ*-Aktivist*innen in der Türkei und überall weltweit Durchhaltevermögen und Kraft.

Am CSD Freiburg am 9. Juli demonstrieren wir gemeinsam für Menschenrechte weltweit!

Hier gibt es die Pressemitteilung der Veranstalter*innen des Trans Pride (auf englisch).

Anmeldung für den CSD 2016 – JETZT!!!

Der CSD Freiburg rückt immer näher und heute wurde die Anmeldephase offiziell gestartet! Am Samstag den 9. Juli ziehen wir unter dem Motto „Mein Herz schlägt gegen Rechts“ queer durch Freiburg.

Natürlich kann jede*r einfach so an der Demo teilehmen. Wenn ihr jedoch in einer größeren Fußgruppe mitlauft würden wir euch bitten, euch ebenfalls anzumelden. Wagen und Infostände müssen vorher angemeldet werden. Die Formulare findet ihr hier, schickt diese einfach ausgefüllt an anmeldung@csd-freiburg.de. Anmeldefrist ist bis zum 25. Juni – je früher desto besser!

Der CSD Freiburg wird von dem Verein Christopher Street Day Freiburg e.V. ehrenamtlich organisiert. Wir erheben keine Gebühr oder Ähnliches für die Anmeldung. Da uns dieses Spektakel jedoch auch einiges kostet, würden wir uns über eine Spende sehr freuen!

Spenden bitte über folgende Bankverbindung:

Empfänger: Christopher Street Day Freiburg e.V.
IBAN: DE89430609677922199900
BIC: GENODEM1GLS
Institut: GLS Gemeinschaftsbank

Trauer, Hass und falsche Verbundenheit – Warnungen im Schatten einer Tragödie

Es sind zwei Tage vergangen und die Erschütterung sitzt nach wie vor tief. In der Nacht von Samstag auf Sonntag hat der 29-jährige Omar Seddique Mateen ein Attentat auf den Gay Club Pulse in Orlando Florida verübt. Am Ende dieses knapp vierstündigen Horrorszenarios hatten durch seine Hand 49 Menschen ihr Leben verloren und 53 weitere wurden verletzt. Mateen hat noch während des Attentats seine Zugehörigkeit zum islamistischen Terrornetzwerk IS deklariert, bevor er durch die Intervention der Einsatzkräfte starb. Das Attentat wurde schon kurze Zeit später als schwerwiegendster Terroranschlag seit 9/11 und als folgenschwerste Massenerschießung in der Geschichte der USA benannt.

Wir sind, wie viele Menschen rund um die Welt, zutiefst bestürzt und schockiert über diesen Angriff, der sich explizit gegen die LSBTTIQ*-Community gerichtet hat. Ein Angriff gegen Menschen, die in dieser „offenen“ westlichen Gesellschaft immer noch dafür kämpfen müssen gleiche Rechte zu haben. Ein Angriff an einem Ort, der als sicherer Rückzugsort für alle LSBTTIQ*-Menschen dienen sollte. Ein Angriff, bei dem auf Seiten der Politik das Thema LSBTTIQ* auch schon mal gerne ausgeklammert wird. Ein Angriff, der nun von einigen Politiker*innen instrumentalisiert wird, um den Hass gegen alle Muslime* und Musliminnen* zu schüren. Islamistischer Terror darf nicht mit dem Islam gleichgesetzt werden.

Trotz aller Trauer, Erschütterung und Fassungslosigkeit dürfen wir uns von diesem Hass nicht einnehmen lassen. Wir sollten nicht auf die Stimmen hören, die sich jetzt um unsere Rechte und Existenz sorgen, obwohl sie bis unmittelbar zuvor die Abnormalität und Widerwärtigkeit von LSBTTIQ*-Menschen propagierten. Noch Ende April hat Ex-Präsidentschaftskandidat Ted Cruz Trans*-Frauen als „geistesgestörte Männer in Frauenkleidung, die Frauen auf der Toilette missbrauchen wollen“, bezeichnet. Oder Präsidentschaftskandidat Donald Trump, der diese Tragödie nutzt, um ein generelles Einreiseverbot für Muslime* und Musliminnen* zu fordern. Wir müssen differenzieren, wer tatsächlich auf unserer Seite steht und uns die Hände reicht oder wer uns nur als weitere Minderheit, die es gegen eine andere auszuspielen gilt, betrachtet.

Unsere Gedanken und Solidarität sind bei allen Opfern*, Angehörigen*, Freund*innen und Betroffenen*. Wir dürfen uns in unserem Bestreben nach Gleichberechtigung und Freiheit nicht zerschlagen und unterkriegen lassen. Ereignisse wie dieses, in einer Zeit, in der die (rechtliche) Gleichstellung vermeintlich erreicht scheint, zeigen, wie wichtig dieses Bestreben heute noch ist und warum wir jedes Jahr erneut auf dem Christopher Street Day demonstrieren. Unser Kampf wird und muss weiter gehen.

Im Andenken an diese Tragödie rufen wir alle dazu auf an der Freiburger „Mahnwache für Orlando und gegen Gewalt“ am 15.06.2016 um 18 Uhr am Bertoldsbrunnen teilzunehmen.